Der Start in die heurige Faschingssaison kam in Villach nicht mit Pauken und Trompeten, sondern mit Nähe, Witz und viel Engagement. In Maria Gail und Landskron feierten zwei Faschingsformate Premiere, die eines deutlich machten: Der Fasching lebt dort am stärksten, wo er aus dem Ort heraus entsteht.
Humor, der weiß, wo er zuhause ist: Maria Gail
Am Freitag, dem 16. Jänner, füllte sich das Kulturhaus in Maria Gail bis auf den letzten Platz. Auf der Bühne stand kein importiertes Showprogramm, sondern ein Ensemble, das sein Umfeld kennt und genau daraus seinen Humor schöpft. Das Kulturspektrum Maria Gail (KSMG) setzte bei seiner heurigen Premiere auf Vielfalt statt Lautstärke und auf Pointen, die aus dem Alltag geboren sind.
Das Programm war dicht, wechselhaft und bewusst nah an den Lebensrealitäten des Publikums. Familiäre Situationen, technische Eigenheiten und soziale Rollenbilder wurden aufgegriffen, überzeichnet und wieder losgelassen – ohne moralischen Zeigefinger, aber mit sicherem Gespür für Timing. Neue Figuren brachten frische Impulse, bekannte Rollen sorgten für Wiedererkennung. Der Applaus zeigte deutlich: Das Publikum fühlte sich angesprochen, nicht vorgeführt.
Erfahrung trifft Spielfreude: Landskron bleibt sich treu
Nur einen Tag später, am Samstag, dem 17. Jänner, wurde im Volkshaus Landskron gelacht. Die Faschingsgilde Landskron eröffnete ihre 27. Saison – routiniert, aber alles andere als müde. Mit klarer Struktur, musikalischen Elementen und einem Ensemble, das sichtbar zusammenspielt, präsentierte sich der Landskroner Fasching selbstbewusst und publikumsnah.
16 Nummern spannten einen Bogen von Schauspiel über Gesang bis Tanz. Der Humor war direkt, der Ton herzlich, die Stimmung von Beginn an offen. Es ging nicht darum, größer zu sein als andere, sondern darum, das Publikum mitzunehmen. Gerade dieser bewusste Fokus auf Gemeinschaft statt Effekthascherei verlieh dem Abend seine Stärke. Landskron zeigte: Beständigkeit kann sehr wohl frisch wirken.
Große Bühne oder kleine Säle: Fasching als gemeinsame Leidenschaft
So unterschiedlich die beiden Abende auch waren, sie verband eine klare Haltung: Fasching als gemeinschaftliches Projekt. Menschen stehen auf der Bühne, weil sie etwas zu erzählen haben – über ihren Ort, ihre Zeit und sich selbst. Das Ergebnis ist keine austauschbare Unterhaltung, sondern Kultur mit regionalem Abdruck.
Über allem steht der große Villacher Fasching im Congress Center Villach, der seit Jahrzehnten Maßstäbe setzt und mit professionellen Produktionen, bekannten Gesichtern und dem legendären Narrenruf „Lei Lei“ weit über Kärnten hinausstrahlt. Er ist das Aushängeschild des Villacher Faschings und prägt dessen Ruf maßgeblich.
Gerade im Zusammenspiel mit Formaten wie Maria Gail und Landskron zeigt sich jedoch die Stärke des Ganzen: Die „kleinen Geschwister“ können sich durchaus mit dem großen Bruder messen – nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung. Große Bühne und kleine Säle, professioneller Glanz und ehrenamtliche Leidenschaft ergeben gemeinsam eine Faschingslandschaft, die in Villach einzigartig ist.
Der Villacher Fasching hat begonnen – vielfältig, lebendig und getragen von Menschen, die ihn ernst nehmen, auch wenn er zum Lachen einlädt.









